Zum zweiten Mal wird von der Feuerwehr der Samtgemeinde Baddeckenstedt eine Leistungsfahrt organisiert. An insgesamt sieben Stationen sollen die Wehren der Samtgemeinde ihren Ausbildungsstand beweisen. Defizite sollen so frühzeitig erkannt werden und in den Ausbildungsdiensten behoben werden.

Die erste Station führt die Freiwilligen der Feuerwehr Haverlah in den Gewerbepark Elbe. Eine hilflose Person liegt neben einem IBC (Intermediate Bulk Container, ein 1000 Liter fassendes Großgebinde). Eine Substanz tritt aus und gefährdet das Opfer und die Umwelt. Nach kurzer Einweisung in die Lage entscheidet Gruppenführer Erbe über das weitere Vorgehen. Die Substanz ist relativ ungefährlich, es handelt sich um Schneckenkorn, und ein Einsatz von umluftunabhängigem Atemschutz ist nicht notwendig. Der Angriffstrupp geht zur raschen Menschenrettung vor, der Wassertrupp betreut einen weiteren Lagermitarbeiter. Für eine Notdekontamination wird Löschmittel aus der Kübelspritze und ein Besen bereitgestellt. Das Opfer wird nach der Rettung aus dem Gefahrenbereich versorgt – Übungsende.

Einsatzbereitschaft herstellen und mittels Koordinaten den nächsten Einsatzort anfahren. Die Löschstaffel, bestehend aus Gruppenführer, Maschinist, Angriffs- und Wassertrupp muss nicht lange fahren. Drei Kilometer entfernt hat die Brandmeldeanlage der Schule in Groß Elbe ausgelöst. Eine Alarmierung, wie sie jährlich einige Male in der Samtgemeinde Baddeckenstedt erfolgt. Da die Feuerwehr Haverlah keine Brandmeldeanlagen in ihrem unmittelbaren Einsatzgebiet hat, ist es für die meisten Einsatzkräfte Neuland. Entsprechend groß ist das Interesse. Unter Zuhilfenahme von Laufkarten wird der ausgelöste Handdruckmelder lokalisiert. Rauch- oder Brandgeruch kann die Feuerwehr nicht feststellen. Vermutlich wurde dieser Melder mutwillig ausgelöst. Gruppenführer Erbe lässt den Handmelder freischalten und die Brandmeldeanlage zurückstellen. Hier ist kein weiterer Einsatz für die Feuerwehr notwendig.

Der nächste Einsatzort verschlägt uns in die Ortschaft Berel. Bei einem Verkehrsunfall sind zwei Opfer zu versorgen. Routiniert befreit der Angriffstrupp die Verletzten aus ihrem Fahrzeug. Während der Maschinist die Einsatzstelle absichert, stellt der Wassertrupp den Brandschutz sicher. Für dieses Unterfangen werden drei Löschmittel, Wasser, Schaum und Pulver, vorgehalten. Hektik macht sich breit, als bei einem Opfer die Atmung und das Herz aussetzt. Der Angriffstrupp ist gefordert und muss eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Sie summen „Staying Alive“ von den Bee Gees und drücken im richtigen Takt. Die Staffel rüstet zurück. Fahrzeug fahrbereit.

Nun geht es nach Burgdorf. Qualm dringt unter den Ziegeln einer Scheune ins Freie. Der Gruppenführer sucht einen Standort für das Fahrzeug. Er befielt einen Einsatz mit Bereitstellung. Bei dieser Einsatzform wird ein standardisierter Löschangriff bis zur Verteilerlinie aufgebaut. Je nach Lage kann im Anschluss das weitere Handwerkszeug vorgenommen werden. Während der Einsatzleiter den Einsatzort erkundet, verstreichen im Ernstfall bei einem Brandeinsatz keine wertvollen Minuten. Dazu setzt der Angriffstrupp einen Verteiler und rüstet sich mit PA-Geräten (Atemschutzgeräten) aus. Der Wassertrupp stellt die Wasserversorgung her und fungiert als Sicherheitstrupp. Der Maschinist sichert die Einsatzstelle gegen den fließenden Verkehr ab. Nachdem Einsatzleiter Erbe durch die Beobachter in die Übungslage eingewiesen wurde, schickt er einen Trupp zur Erkundung in die verrauchte Scheune vor. An der Rauchgrenze angekommen, meldet dieser dem Maschinisten seinen Druck. Eine adäquate Atemschutzüberwache ist die Lebensversicherung für diesen Trupp, der bei Nullsicht nicht nur Leben rettet, sondern sich auch in gehörige Gefahr begibt. Nach kurzer Zeit finden Jan und Steven (Angriffstrupp) den Vermissten. Als Hilfsmittel können sie dabei auf eine Wärmebildkamera zurückgreifen. Kleinste Wärmestahlung, wie auch Körper sie ausstrahlen, kann mit dieser Kamera sichtbar gemacht werden. Der Vermisste wird geborgen – zum Abmarsch fertig, weiter gehts gen Süden.

In Wartjenstedt erwartet uns unsere  Wehrführung mit einer verdienten Brotzeit. Gestärkt geht es in das Obergeschoss des Feuerwehrhauses. Feuerwehrjeopardy! Antworten werden vorgegeben. Die Mannschaft muss eine passende Frage bilden. ABC – 500 Punkte. Die Antwort auf die eine Frage gefunden werden muss: „Eine Einheit mit der Abkürzung TUIS, sie hilft beim Gefahrguteinsatz und wird von der Industrie gestellt. Fachfirmen bringen dabei ihre Expertise zum Einsatz“. Die Frage die dazu von der Crew des TSF-W gestellt werden müsste wäre: „Was ist das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem?“ Klingt einfach? Wussten wir trotzdem nicht. Dafür viele andere Fragen. Genug gequizzt. Die Feuerwehr muss weiter. Das Spiel hätten wir trotzdem gerne für den eigenen Dienst.

Erst auf den Bereitstellungsplatz. Nach einer Stunde – nennen wir sie Erholungszeit, damit niemand quengelt – wird die Feuerwehr Haverlah zu auslaufenden Stoffen nach Baddeckenstedt alarmiert. Erbe erkennt sofort die Lage und sichert einen auslaufenden Ölkanister. Der Angriffstrupp dichtet mit einer Plane einen Kanaleinlauf ab. Falls es brennt, ist der Wassertrupp mit Löschgerät schnell zur Stelle. Der Maschinist sperrt die Straße. Nach knapp 10 Minuten geht es weiter.

Diesmal nach Sehlde. Hier muss das theoretische Können an den Funkgeräten bewiesen werden. Kanalwechsel, Statusmeldungen, Funktionsweise der Funkgeräte. Jeder löst eine Aufgabe aus dem Bereich der Funktechnik. Als Gruppenleistung wird anhand eines Zeitstrahls die Reihenfolge der Statusmeldungen im Einsatz rekonstruiert. Ein Vegetationsbrand wird angenommen. Die Lösung in Kurzform: 2354512. Langform: Status 2, das Fahrzeug der Feuerwehr ist einsatbereit im Feuerwehrhaus Haverlah. Status 3, der Einsatz wird von den Einsatzkräften übernommen. Status 5, Sprechwunsch, die Einsatzkräfte werden von der Leitstelle angesprochen. Der Einsatzort wird bekanntgegeben, die Feuerwehr meldet mit welcher Stärke sie ausrückt. Status 4, die Einsatzstelle wird erreicht. Der gemeldete Vegetationsbrand entpuppt sich als 1m² brennende Grasnabe. Status 5, Sprechwunsch zur Übermittlung der Lagemeldeung. Keine Verstärkung erforderlich. Feuer aus. Kein Wasser verbraucht. Status 1, Rückfahrt (einsatzbereit) zur Wache. Wenige Minuten später Status 2, einsatzbereit in der Wache.

Dort angekommen schenkt der Jugendsprecher fließig Getränke aus und Helfer schwenken Bratwürste über dem Grill. Nach und nach treffen zwölf weitere Feuerwehren der Samtgemeinde in Haverlah ein. Nun gilt es die Leistung auszuwerten. Fazit: Alle Feuerwehren haben einen hervorragenden Eindruck hinterlassen und sind einsatzbereit. Haverlah teilt sich mit der Feuerwehr aus Sehlde zusammen den ersten Platz. Der Dank gilt den Ausrichtern und Beobachtern.

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